Nach meinen Erfahrungen kann eine Individualreise in Japan (insbesondere ausserhalb der grossen Staedte und Touristenzentren) ohne japanische Sprachkenntnisse schnell problematisch werden und zu Enttaeuschungen fuehren, weil "Englisch" zwar in den Schulen gelehrt wird, aber es mangelt oft an gut ausgebildeten Englisch-Lehrern die auch die Aussprache korrekt vermitteln koennten.
So wird das Gelernte meist schnell wieder vergessen. Es fehlt auch an Uebungsmoeglichkeiten fuer Sprachanfaenger die nicht das Geld und die Zeit haben in englischsprachige Laender zu reisen. Fuer jede Reise in ein Nachbarland muss man uebers Meer.
Ausserdem halten sich die meisten Japaner vornehm zurueck, selbst wenn sie englisch verstehen ... um sich ggfs. bei
"fehlerhaftem Englisch" nicht zu blamieren und event. "das Gesicht zu verlieren". Ich habe oefters vor kleineren Bahnhoefen zu abendlicher Stunde reichlich frustrierte Rucksacktravellers typischerweise vor Telefonzellen mit ihrem Woerterbuch in der Hand angetroffen ...
Natuerlich kann man sich meistens "mit Haenden und Fuessen" helfen, aber wenn man wirklich mal Probleme hat, wie z.B. :
- Suche nach einer Unterkunft am spaeten Abend, oder man hat irgendwo etwas liegen lassen - oder gar verloren ...
- Man braucht eine bestimmte Verkehrsverbindung oder Reservierung oder vielleicht eine Fahrradreparaturwerkstatt ...
- Wenn die freundliche Dame am Ticketschalter zurueckfragt ... kata michi ? ( einfache Fahrt ? )
- Wenn es "dick" kommt, dann kriegt man urploetzlich und unerwartet heftige Zahnschmerzen ... usw.
In solchen Faellen helfen dann meist " Haende und Fuesse" und auch noch so gutes Englisch kaum weiter ...
Es nuetzen aber ca. 100 bis 200 sicher gelernte Vokabeln und Redewendungen, sowie die Beherrschung der jap. Zahlen schon sehr.
Freilich darf man nicht erst in einer "akuten" Situation anfangen in seinem Sprachfuehrer oder Woerterbuch zu blaettern ...
Fuer den, der laenger im Land bleiben moechte ist auch die Erlernung der ca. 80 Kana-Zeichen zu ueberlegen, weil man damit schon viele Hinweisschilder, Ortsnamen, Shop-Namen usw. entziffern kann.
Japaner selbst verwenden gleichermassen die drei Schriftsysteme : KANJI ( ca. 4000 rel. komplizierte Bilderschriftzeichen), KANA - also Hiragana und Katakana ( Silbenschriften fuer z.B. Ortsnamen, englische Eigennamen und neue Woerter in Technik und Wissenschaft ) sowie auch noch das westliche LATEINISCHE Schriftsystem in allen Zeitungen und Druckschriften.
Einige Beispiele fuer Kanji-Zeichen:
Fahrrad ( Jitensha )
Bahnhof ( eki )
Eingang ( iriguchi )
Ausgang ( deguchi )

Oeffentliches Bad ( Onsen ) als Schild ... oder auch: yoku jo ( Bade-Ort ) Onsen

(oeffentliches) Bad ( O_Furo ) - jap. Pension / Hotel ( Minshuku )
jap. Hotel ( Ryokan )
Gefahr ( kiken )
Frau ( onna )
Mann ( otoko )
Wer Interesse an Kana-Zeichen hat findet eine Uebersicht hier
Beispiel einer japanischen WEB-SEITE: : http://www.yahoo.co.jp
Diese Internetseite kann man nur auf dem Bildschirm lesen, wenn man die " Dateien fuer ostasiatische Sprachen" installiert hat ...
Dazu bei Windows-Systemen unter "Einstellungen, Systemsteuerung, Regions-und Sprachoptionen, unter dem Reiter "Sprachen" das Haekchen ankreuzen und Dateien nachinstallieren - ( dazu ist noch die Original-Windows-Installations-CD erforderlich ) ggfs. Neustart !
Ich selbst bin schon sehr lange von Japan fasziniert und lerne seit vielen Jahren diese Sprache, (das Pauken der Kanji-Schrfitzeichen habe ich aber schon laengst nach ca. 400 gelernten Zeichen aufgegeben ... Nach nur etwa 2 bis 3 Monaten Uebungspause hatte ich bereits eine Grossteil des muehsam Erlernten wieder vergessen ... )
Gerade Sprachanfaenger stellen sehr bald fest, dass Japaner einfach "anders denken" als westliche Besucher und oftmals gibt es keine direkte Uebersetzung wie man sie z.B. ins Englische, Franzoesische, usw. einfach zustande bringen koennte. Das hat dann oft erstauntes Kopfschuetteln der angesprochenen Japaner und deren voelliges Unverstaendnis zur Folge, obwohl man sich absolut sicher ist, alle Vokabeln im akuten Anwendungsfall zu kennen, richtig auszusprechen und sich sogar noch an die korrekte Grammatik zu erinnern !
Die Situation rettet dann immer nur freundliches Laecheln und viele Verbeugungen ... sumimasen ... gomen nasai ...
Anfangs hatte ich sogar manchmal reichlich frustriert gefragt, ob ich denn wirklich mit einem "echten Japaner" sprechen wuerde ...
Um diese immer wiederkehrenden und fuer Sprachschueler unangenehmen Peinlichkeiten zu vermeiden, scheint es unumgaenglich zu sein, die konkrete Situation schon einmal auf aehnliche Weise erlebt zu haben - um dann erst zu wissen wie Japaner diese auf typisch japanische Art beschreiben und ausdruecken wuerden. _______________________________________________________________________________
Zu sprachlichen Abenteuern eine kleine Episode aus meinem Tagebuch:
12. Mai 2006 - Hamada - Eheji-Tempel - Kanazawa
Ich komme nach ca 110 km Fahrt vom Eheji-Tempel schon bei Daemmerung endlich in Kanazawa an. Der heftige Gegenwind fast auf der halben Strecke und ein Platten am Hinterrad (uebrigens der einzige auf meiner ganzen Tour) haben mir etwas die Stimmung "verhagelt".
Ich brauche noch eine Unterkunft fuer heute Nacht, weil das Wetter fuer eine Zeltuebernachtung nicht gerade einladend ist.
Es ist kuehl und immer wieder Regentropfen. Ausserdem ist es zeitaufwendig und nicht einfach innerhalb von groesseren Staedten ein geeignetes Plaetzchen fuer mein Mini-Einmann-Zelt zu finden. Ja, und ein heisses Bad wuerde mir nach dieser doch sehr anstrengenden Tagestour auch noch guttun.
Also am Besten gleich zum Bahnhof, weil dort meistens ein "Tourist-Info-Buero" und auch ein Touristenstadtplan zu finden ist - Hoffentlich haben die aber noch offen ...

wie immer viel Verkehr auf der schmalen Hauptstrasse ... man radelt sozusagen stundenlang auf dem Strich ...
Ich kriege tatsaechlich noch meinen (kostenlosen) Stadtplan - aber leider nur in japanisch - Auf diesem kann ich nur einzelne Sehenswuerdigkeiten entziffern, aber ich finde die Telefonnummern einer Jugendherberge und die von verschiedenen Hotels. Nur wie komme ich da jetzt hin ? Ich will kurz nochmal nachfragen... aber das Touristenbuero ist inzwischen schon geschlossen !
Also rufe ich vom Muenztelefon die Jugendherberge an ... ( englisch ?? -- sorry no ! nihongo dake! ) - Naja, gut, mit japanisch gehts auch so einigermassen, aber ich kann bei der telefonischen Wegbeschreibung des "Herbergsvaters" leider die angegebenen Wegmarken auf der Karte nicht entziffern und folglich auch den Weg nicht mit einem Stift einzeichnen. Hmm, ich koennte ein teures Taxi vor mir herschicken, ueberlege ich ... aber dann habe ich eine rettende Idee ...
In der Bahnhofshalle sehe ich ein Maedchen, das Reklamezettel und gleichzeitig damit auch kostenlose Taschentuchpackungen verteilt ... ( gibt s in Japan sehr haeufig ) ... Ich frage sie, ob sie mir kurz "behilflich" sein koennte ... sie soll bitte fuer mich mit dem "Herbergsvater" der Jugendherberge telefonieren und sie koennte mir dann sogar mit ihrer Ortskenntnis den Weg nach der telefonischen Vorgabe zu meinem Ziel auf der Karte einzeichnen.
Nach dem ueblichen, fast ueberhoeflichen Lob meiner Japanischkenntnisse und dem grenzenlosen Erstaunen ueber mein seltsames "Verkehrsmittel" sei es ihr eine Freude mir zu helfen ...
Gesagt, getan - hurra es klappt - vielen Dank !! -
Jetzt brauche ich nur noch der Linie des Kugelschreibers auf der Karte nachzufahren ( mittlerweile schon mit Stirnlampe ) und erreiche nach immerhin weiteren 3 km auf einem steilen, etwa 300 m hohen Huegel schon etwas ausserhalb und in voelliger Dunkelheit die versteckt liegende Jugendherberge ...
Die Bahnhofsvorhalle von Kanazawa
Werbung wird in Japan mit viel Aufwand unter die Leute gebracht ...
im beruehmten "Kenrokuen" - Garten von Kanazawa