Selbstverstaendlich macht es nicht viel Sinn sein Rad mitzunehmen, wenn man in Fussgaengerzonen oder in den oft riesigen Bahnhoefen herumspaziert um einzukaufen oder vielleicht um ein passendes Restaurant zu suchen. Da sollte man sein Rad einfach an einem belebten Platz abstellen und die Strecken zu Fuss gehen.
Bei laengerer Abwesenheit habe ich mein Rad immer abgesperrt, aber man braucht sich um sein Gefaehrt in Japan kaum Sorgen zu machen. Insbesondere wenn man gleich erkennen kann, dass es sich um ein "auslaendisches Rad" handelt, das ggfs. sogar noch mit einer Deutschlandflagge "verziert" ist. Japanische Fahrraeder sind alle mit Rahmen-Nummer registriert (Pflicht in Japan) und die Polizei kann jederzeit anhand dieser Nummer per Computer feststellen ob Fahrrad und Besitzer zusammenpassen.

Fahrradparkplatz am Bahnhof in Niigata ( Tohoku )
Misstrauische und sehr vorsichtige Radler koennen den alten Trick anwenden und ihr Rad immer auf der gegenueberliegenden Strassenseite abstellen - wenn man z.B. ein Restaurant besucht. Von dort hat man es dann besser im Blick als wenn man es direkt vor dem Lokal abstellen wuerde. Es gibt aber in Japan extrem wenig Kriminalitaet im Vergleich zum Rest der Welt und man kann sich in dem oft dichten Gewuehl durchaus sicher fuehlen, weil es keine Hooligans, keinen Vandalismus und kaum Agressivitaet gibt.
Millionen von japanischen Pendlern schlafen jeden Tag sofort nach dem Einsteigen in ihre Zuege ein und werden dann oft nur von ihrem Mobiltelefon-Wecker wieder ans Aussteigen erinnert. - Die Leute fuehlen sich alle absolut sicher, weil so gut wie keine Diebstaehle vorkommen.
Selbst kleine Kinder fahren allein U-Bahn und junge Maedchen muessen auch nach Mitternacht keine Angst vor Ueberfaellen haben.
Es ist ein herrliches Gefuehl wenn man nicht wie eine Glucke staendig auf seine Sachen aufpassen muss und man ohne seinen Rucksack mitzunehmen in aller Ruhe auf die Toilette gehen kann.

Meditation oder einfach nur Muedigkeit ?
Nun zum "Abenteuerradeln" auf japanischen Strassen, wobei der Linksverkehr das geringste Problem ist ...
Radwege sucht man, wie schon einmal erwaehnt, weitgehend vergebens - sie waeren aber vermutlich auch fuer "zuegiges Fahren" auf weiten Strecken nicht sonderlich geeignet. In den groesseren Staedten teilen sich Fussgaenger und Radler oft einen gemeinsamen Streifen vor den Einkaufslaeden (ganz offiziell) aber durch die oft sehr hohen Randsteine und haeufigen Querstrassen ist ein flottes Vorankommen unmoeglich.
Ausserdem muss man staendig Fussgaengern, Kinderwagen usw. ausweichen, so dass man sich bald wieder zu den Autos, Lastern und Tiefladern auf den Hauptstrassen gesellt. Dort faehrt man auf extrem schmalen Strassenraendern (in denen oft noch Asphaltloecher oder kleine Abfaelle das "Vergnuegen" beeintraechtigen koennen. Aber dafuer kann man jetzt etwas Tempo machen.

dieses alte Scharnier habe ich gerade noch rechtzeitig gesehen ... einen neuen Rad-Mantel haette ich nicht dabei gehabt !

Luxus-Ausfuehrung eines Gehwegs mit Radweg und Blindenleitspur - jedoch fuer hoeheres Tempo nur bedingt geeignet
Besondere VORSICHT ist jedoch in den sehr dicht besiedelten Gebieten wie z.B. der Peripeherie von Grossstaedten geboten ! Hier ist es besser einen Vorortszug zu nehmen als durch endlose Ausfallstrassen von Ampel zu Ampel zu fahren. Wie sich das schnell zum lebensgefaehrlichen Abenteuer auswachsen kann beschreibe ich nachfolgend aus eigener Erfahrung und rate dringend ab dieses riskante "Spielchen" nachzumachen:
Von Tokio in Richtung Yokohama und weiter nach Kamakura musste ich mich, wie schon eingermassen gewoehnt, nur mit dem weissen Fahrbahnbegrenzungstrich am Strassenrand zum Radeln zufrieden geben. Dann aber kommt es nicht selten vor, dass man z.B. auf einer 4 - oder gar - 6- spurigen Ausfallstrasse nach rechts abbiegen muss.
Jetzt gibt es zwei Moeglichkeiten: Man ueberquert sicher, aber mit grossem Zeitverlust mit den Fussgaengern bei jeweils gruener Fussgaenger - Ampel zwei mal die Fahrbahn und faehrt dann wie gehabt weiter.
Oder man faehrt mit dem fliessenden Verkehr einfach als Radler mit: Das ist zwar viel schneller, jedoch halsbrecherisch und nervenaufreibend ! Ich habe es auch sehr bald aufgegeben und bin lieber zum naechsten Bahnhof geradelt ...
Beim Rechtsabbiegen im fliessenden Verkehr ist es unumgaenglich, sich so nach und nach durch den dichten nachfolgenden Verkehr langsam auf die rechte (innere) Fahrspur hinueber zu arbeiten um sich einzuordnen.
Genau das ist schon deshalb ziemlich gefaehrlich, weil der "normale Autofahrer" in Japan nicht mit so einem "verrueckten Auslaender auf dem Fahrrad" rechnet, der da ploetzlich vor seinem Fahrzeug die Spuren wechseln will ...
Hatte ich es dann ganz nach rechts zur Innenfahrbahn geschafft, dann habe ich mich noch nach Moeglichkeit bis ganz zur Spitze des Pulks und direkt bis vor die rote Ampel vorgearbeitet. Da stand ich dann nun mitten auf einer riesigen Kreuzung. Neben mir mannshohe Zwillingsreifen von Fernlastzuegen und inmitten der droehnenden Motoren komme ich mir ganz klein und "verloren" vor. Jetzt musste ich aber unbedingt einen kleinen Gang vorbereiten, denn:
Bei GRUEN muss man sich sofort "maechtig ins Zeug legen" um unbedingt vor dem nachfolgenden Verkehr wieder den sicheren ganz linken Fahrbahnrand zu erreichen und noch vor dem anfahrenden Verkehr allen Spuren wieder nach links zu wechseln.
So faehrt man dann weiter bis zur naechsten Ampel wo man dann meistens wieder den gleichen Laster neben sich hat.
In dicht besiedelten Gebieten kommen in Japan auf einen km im Schnitt etwa 3 Ampeln! Der Fahrspass mit dem Rad haelt sich dabei sehr in Grenzen und kostet viel Zeit und Nerven. Diese mehr oder weniger sinnlos verschwendete Fahrzeit kann man sicher besser nutzen, wenn man die in solchen Regionen meist sehr guten und haeufig fahrenden oeffentlichen Nahverkehrsmittel benutzt.

Es kommt vor, dass man von Polizisten zur Fahrt hinter den weissen Metallzaun "verdonnert" wird
das macht man
freilich nur ein paar 100 m weit ...
Etwas gesteigerte Adrenalindosen kann man sich auch goennen, wenn man bei Regen, Daemmerung oder nachts mit Stirnlampe faehrt ... Oder es kommt schon wieder ein .. .. ..
TUNNEL - Fahren im Hoellenloch ...

interessante Begegnung im Tunnel mit einem Wandermoench - kurze Unterhaltung war nur ausserhalb der laermenden Roehre moeglich in
Die zahlreichen Tunnels sind sehr unterschiedlich in Breite, Seitenstreifen (manchmal gibts auch gar keinen Seitenstreifen ! ) Randsteinhoehe ( bis zu 1/2 Meter hoch ) Beleuchtung und Belagsqualitaet. Man muss im Dunkeln jederzeit mit Loechern, Steinen, Sandsaecken, Warnschildern, verrosteten oder durchgebrochenen Metallgittern und Aehnlichem rechnen.
Manchmal kommt der Radlenker wegen der Tunnelwoelbung schon bedenklich nahe an die Seitenwand so dass immer volle Konzentration im Halbdunkel gefordert ist. Einerseits will man schnell durch so eine Roehre durch aber andererseits muss man auch jederzeit schnell stehen bleiben koennen. Ein besonders helles und grosses Ruecklicht kann dabei lebenswichtig sein und muss vor jeder Tunneleinfahrt auf Funktion geprueft werden.
Wenn man von einem Laster mit hellen Scheinwerfern ueberholt wird, dann darf man nicht vergessen dass man kurz nach dem
Ueberholvorgang erst mal ein paar Sekunden fast gar nichts mehr sieht und seine Geschwindigkeit rechtzeitig entsprechend anpassen muss - und wenn der Lastwagenfahrer dann auch noch sein Horn ertoenen laesst und der dicke Dieselqualm die Roehre fuellt, stellt sich so richtig das "Tunnel-Wohlgefuehl" ein ...

wenn man Glueck hat kommt man durch bevor die naechste Lastwagenkolonne von hinten anrueckt ...

und so hell kann es werden, wenn ein Laster von hinten die Roehre ausleuchtet ...

aber es macht auch Spass mit netten Bekannten mal einen Ausflug im "japanischen Stil" zu unternehmen ...
Machmal war ich etwas verdutzt, wenn mir bei Strassen mit nur einem Seitenstreifen wie auf dem Bild oben (sozusagen aus der "falschen" Richtung) Radfahrer entgegenkamen, Aber was Verkehrsregeln mit Fahrraedern und Fussgaengern betrifft, nehmen es die Japaner selbst wohl auch nicht so genau ... Als westlicher Auslaender geniesst man sowieso einen gewissen "Unwissenheitsbonus" ... Uebrigens gibt es fuer Fahrradfahrer keine Helmpflicht - Einen Helm zu benutzen ist jedoch dringend anzuraten ...

danach wurde ich sogar noch zu einer "echt deutschen Bratwurst mit Sauerkraut" eingeladen ...