Gleich nach meiner Landung am Flughafen Narita (etwa 80 km von Tokio) erlebte ich eine unangenehme Ueberraschung: Mein Rucksack sei zwar auch schon da, aber mein Rad wuerde erst mit der naechsten Maschine - also morgen - hier eintreffen ...
Mein Begeisterung haelt sich in Grenzen! Also trotz leichter Muedigkeit etwas Lauferei, ein paar Formulare ausfuellen und die Adresse angeben, an die das verspaetete Gepaecksstueck nachgeliefert werden soll ( kostenfrei versteht sich )
Je laenger ich jedoch darueber nachdachte, war es mir aber gar nicht so unangenehm, weil ich dann leicht und unbeschwert nur mit dem Rucksack in aller Ruhe nach Tokio zu meiner reservierten Jugendherberge fahren konnte und dann nach einer ausgiebigen Ruhepause sogar noch ohne Flughafen-Hektik mein Rad in ruhiger Umgebung zusammenmontieren konnte.
Ich habe bewusst auf den Kauf des "Japan-rail-pass" verzichtet, weil ich diesen wegen meines Fahrrads sowieso nicht voll ausgenutzt haette. Also fahre ich mit dem langsameren und billigeren Bummelzug gemuetlich nach Tokio
( es gibt auch einen Express-Zug ...
aber ich habe es erst mal nicht eilig )
In Tokio zu zelten erschien mir wenig verlockend ... und deshalb habe ich mir gleich fuer die ersten drei Naechte ein richtiges Bett gegoennt. Ausserdem war es Ende Maerz in Tokio doch noch unerwartet kuehl ! Ich hatte den Platz in der Yoyogi Jugendherberge fruehzeitig ueber das Internet gebucht, weil Jugendherbergen in Tokio sehr oft fuer Monate im voraus ausgebucht sind !
Es gibt in Japan 3 Kategorien von Jugendherbergen: staatliche, halbstaatliche und privat gefuehrte Haeuser, wobei die privaten meist die teuersten und auch die luxurioesesten sind. 2006 habe ich im Schnitt zwischen 20 und 30 Euro fuer eine Uebernachtung bezahlt. Oft ist das gemeinschaftlliche Abendessen und auch das Fruehstueck am naechsten Tag darin schon inbegriffen. Auch das taegliche O-Furo
( wohltuendendes Relax-Bad ) ist ohne weitere Zusatzkosten zugaenglich.
Fuer nur etwa 10 oder 15 Euro mehr, bekommt man aber schon meist ein einfaches Ryokan oder Minshuku - und damit ein eigenes Zimmer. Ein Ryokan ist ein traditionelles japanisches Hotel mit Tatami-Matten, Futon und Bad im japanischen Stil. ( siehe Seite 36 )
Ein Minshuku ist in der Regel noch etwas preiswerter und hat typischerweise eine etwas "persoenliche bzw. familiaere Atmosphaere".
Alternativen - wenn man mal bei schlechtem Wetter am Abend gar nichts mehr findet - sind die sog. Business-hotels die nochmals um ca 10 bis 15 Euro teurer sind. Ueber die Besonderheiten der Capsule-hotels hatte ich ja schon geschrieben ... ( siehe Seite: 21 )
Theorie und Praxis ... Bild ganz links: Ryokan wie es in korrekter Druckschrift ( Kanji ) geschrieben wird und die beiden Bilder rechts davon enthalten die gleichen Schriftzeichen jedoch in etwas anderer "freier Schreibschrift" ( Zeichen auch uebereinander ) und das Bild ganz rechts zeigt eine Reklametafel fuer ein Minshuku.
Die Kunst besteht nun darin als Auslaender beim Vorbeiradeln diese Zeichen aus der Masse der anderen Reklametafeln herauszufiltern ... weil es in Japan bis auf wenige Ausnahmen keine Strassennamen und keine Hausnummern gibt ! Japanische
Adressen bestehen normalerweise aus nummerierten "Bezirksangaben" und sind auch fuer Japaner oft schwer zu finden. Man fragt sich ggfs. in immer kleinere Bezirke durch wo dann letztendlich "jeder jeden kennt" der in der Naehe wohnt.
Wenn es nicht gerade geregnet hat, habe ich immer zuerst versucht mein 1-Mann-Minizelt zu benutzen. Das ist jedoch in Stadtgebieten oft nicht einfach, weil im Gegensatz zu frueheren Zeiten die oeffentlichen Stadtparks und Tempelgelaende jetzt meistens bewacht und nachts sogar abgeschlossen werden und dort das Uebernachten verboten ist.
Aber mit dem Rad ist man ja immer herrlich flexibel und kann ggfs. auch mal ein paar km aus der Stadt rausfahren und dabei gleich Ausschau nach einem " Onsen / O-Furo " - (oeffentliches Badehaus) halten. Nach einem Tag im Sattel braucht man schon ein heisses Bad bevor man in den Schlafsack kriecht !
Aus Deutschland hatte ich mir ein winziges Minizelt mitgebracht, das sich aber insbesondere bei Regen nicht bewaehrt hat. Es war einfach zu eng um darin noch den Rucksack unterzubringen. Um nur mal ein Hemd zu wechseln musste man den Zelt-Reissverschluss aufmachen und sich bei Regen dann entsprechend beeilen ...
Das Zelt im Bild rechts (made in Japan) mit 1,3 kg incl Packsack und Stangen und mit beluefteter Doppeldachtechnik war der reinste Luxus im Gegensatz zum 900 g Biwakzelt das besonders bei Regen sehr unangenehme Eigenschaften hatte. Man "gart im eigenen Saft " (Schwitzwasser) und kann sich kaum ruehren, geschweige denn sitzen.
Ein geeignetes Plaetzchen zu finden ist aber auch ausserhalb der Ballungsgebiete oft schwierig, weil jede noch so kleine ebene Flaeche fuer Strassen, Haeuser, Parkplaetze, Reisfelder oder andere landwirtschaftliche Anbauflaechen genutzt wird.
Und in den Wald gehen, wie man das in Deutschland beispielsweise kann - kann man in Japan nicht ! Japanische Waelder sind fast ausnahmslos wegen Dickicht, Steilhaengen, Sumpfgras usw. unzugaenglich. Ein paar Bilder von typisch japanischen Landschaften keonnen das deutlich machen:
Auf ausgewiesene Campingplaetze zu gehen, falls man sie findet, kann in Japan recht teuer kommen. Die Platzgebuehren reichen schon fast an die Tarife von Jugendherbergsuebernachtungen heran. Ausserdem ist man auf diesen Plaetzen meistens "weit weg vom Schuss" und weg von Allem was einen eigentlich interessiert.
Manchmal habe ich jedoch auch zufaellig voellig verlassene Campingplaetze gefunden die ich dann natuerlich kostenlos benutzt habe ... schon weil die sanitaeren Einrichtungen ( bis auf heisses Wasser ) voll intakt waren.
Etwas einfacher wird Camping auf der Sued-Insel-Kyushu, auf der "japanischen-Meer-Seite" von Honshu, in den "Japanischen Alpen" und natuerlich im rel. duenn besiedelten Hokkaido . d.h. wenn man mit den Baeren gut auskommt ....
Man kann also sagen, dass man die Zelterei in Japan etwas "ueben" muss und eine Portion Glueck gehoert jeden Tag dazu. Aber die Herausforderung kann auch spannend sein und manchmal muss man sich auch mit einem Hinterhof oder auch mit einem alten Friedhof zufrieden geben ...
Oft bin ich nach der Suche und Auskundschaftung eines geeigneten Lagerplatztes noch in ein oeffentliches Bad gegangen und dann erst spaeter bei Dunkelheit zurueckgekehrt um das Zelt aufzustellen.
Wenigstens braucht man keine Angst zu haben ueberfallen zu werden oder dass einem die Sachen geklaut werden ... selbst wenn man sein Zeug fuer eine Weile allein laesst um mit dem Radl zum naechsten "Convinience-shop" wie z.B. LAWSON, 7-ELEVEN, SPAR, YAMAZAKI, POPULAR, FAMILY-MART usw. zu fahren.
Diese zahlreich ueber das ganze Land verstreuten, kleinen Laeden gleichen denen unserer Tankstellen-shops und haben auch oft rund um die Uhr geoffnet.